Big Brother Awards Schweiz

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Big Brother Awards der Schweiz unter dem Motto Privacy is the right to be let alone. (Thomas M. Cooley, 19th century):

"Jede Person hat Anspruch auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung sowie ihres Brief-, Post- und Fernmeldeverkehrs." Verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Art. 13 Abs. 1

Doch "tagtäglich werden unsere Bewegungen und Daten aufgezeichnet, registriert und überwacht: Was wir im Supermarkt einkaufen, mit wem wir telefonieren, wieviel Geld wir wo abheben, durch welche Strassen wir fahren, welche Webseiten wir aufrufen, ... Jeder von uns zieht eine lange Datenspur hinter sich her, die von Datensammlern noch so gerne ausgewertet wird."[1]

Preisträger in deutschsprachigen Ländern

Publikumspreis - Winkelriede

Der Publikumspreis (vormals "Winkelriede") ist der schweizerische Positivpreis für lobenswerten Widerstand gegen Überwachung und Kontrolle[2]. Bisherige Gewinner sind:

  • 2009 - Studentengewerkschaft CUAE, die sich gegen die fremdenpolizeiliche Kontrolle der ausländischen Studenten wehrte.
  • 2008 - Bündnis Luzern für alle für ihren Widerstand gegen Videoüberwachung und Rayonverbote
  • 2007 - Thomas "BloggingTom" Brühwiler
  • 2006 - Referendumskomitee gegen das so genannte "Hooligangesetz" (BWIS-I)
  • 2005 - Gruppe "augenauf": Für ihre Aktion mit Patenschaften für die Registrierung von Prepaid-Handies
  • 2004 - Daniele Jenni: Daniele Jenni ist Rechtsanwalt in Bern und vertritt u.a. «randständige Personen», die von der Berner Stadtpolizei regelmässig aus der Innenstadt weggewiesen werden.
  • 2003 - Annina Rüst: Die Medienkünstlerin macht mit ihren Projekten auf das Thema Überwachung aufmerksam und erschwert mit dem Supervillainizer das Leben der Internet-Schnüffler.
  • 2002 - Bert Setzer (Pseudonym), für die von ihm lancierte <4Q Card>: eine geklonte Rabattkarte, die sowohl für COOP wie für Migros gültig ist und unter Einhaltung der Anonymität benutzt werden kann.
  • 2001 - Michael Jordi (VPOD) und eine nicht namentlich genannte Angestellte eines Call Centers, für ihre Mustereinsprache gegen die zunehmende Überwachung am Arbeitsplatz der Firma SECUR AG.
  • 2000 - Herr F., Mitarbeiter eines kantonalen Verwaltungsrechenzentrums: Er wurde entlassen, nachdem er gegen unzulässige Datensammlungen protestiert hatte.

Big Brother Awards

Um die öffentliche Diskussion über Privatsphäre, Überwachung und Datenschutz zu fördern, wurden die Big Brother Awards ins Leben gerufen. Mit diesem Preis werden die größten Schnüffelratten der Schweiz aus Privatwirtschaft und Politik ausgezeichnet.

2009

Die Preisverleihung fand am 24. Oktober 2009 im Zürcher Kulturzentrum Rote Fabrik statt. Die Gewinner sind[3] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Dienst "Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr" (ÜPF) Vollständige Echtzeitüberwachung des Internetverkehrs
"Die Echtzeit-Überwachung der kompletten Kommunikation des Breitband-Internetanschlusses" umfasst alle aufgerufenen Internetseiten, die Kommunkation per E-Mail, die Aktivitäten in Chats und Internetforen, die Kommunikation mittels Skype und anderen Voice-over-IP-Diensten. (Fall Nr. 5601: Kategorie "Staat" (PDF))
Business Swisscom Fixnet / Bluewin, Bern Zugriff auf Router
Die von der Swisscom den Kunden zum Internetzugriff benötigten VDSL- und neueren ADSL-Router werden über ein Swisscom-Web-Portal konfiguriert. Die persönlichen Einstellungen wie z.B. das Passwort für den drahtlosen Internetzugriff WLAN werden also bei Swisscom gespeichert und von dort an den Router geschickt. Dies bedeutet also, dass Swisscom-Mitarbeiter und nach einem gerichtlichen Beschluss auch polizeiliche Behörden Zugriff auf den Router und den interne Netzwerkverkehr der Swisscom-Kunden haben. (Fall Nr. 5614: Kategorie "Business" (PDF))
Arbeitsplatz Berufsbildungsschule Winterthur Aufruf zum Denunzieren
Die Schule forderte die Nachbarn dazu auf, von ihren Fenstern und Balkonen aus Fotos der Schüler zu machen, welche Abfall auf den Boden warfen oder heimlich auf dem Schulgelände kifften. (Fall Nr. 5598: Kategorie "Arbeitsplatz")
Lebenswerk Deltavista, Küsnacht Als Marktführer, stellvertretend für etliche Unternehmen, die in diesem Business tätig sind und kommerziell private (Kunden-) Daten sammeln. (Kategorie "Lebenswerk" (S. 17, PDF))


2008

Die Preisverleihung fand am 18. Oktober 2008 im Tojo in Bern statt. Die Gewinner sind[4] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Fachgruppe 9 der Staatsanwaltschaft Basel Fichierung von Grossräten
Die „Fachgruppe 9“ sammelte – offenbar im Auftrag des gesamtschweizerischen Staatschutzes DAP (Dienst für Analyse und Prävention) – Informationen über Basler Grossrätinnen und Grossräte türkischer Herkunft und leitete sie nach Bern weiter. Aus der Tatsache, dass die Wahl der Abgeordneten in das Basler Parlament in einer linken türkisch-kurdischen Zeitung gebührend erwähnt wurde, schloss die Fachgruppe und/oder der DAP offenbar, dass die PolitikerInnen mit der Kurdenorganisation PKK sympathisierten. (Fall Nr. 5488: Kategorie "Staat" (PDF))
Business Securitas AG Bespitzelung von kritischen Gruppierungen
Die Abteilung "Investigation Services" infiltrierte die kritischen Gruppierungen "attac" und GAP aus Lausanne mit verdeckten Spitzeln - im ersten Fall vermutlich im Auftrag des Nahrungsmittelmultis Nestlé SA. (Fall Nr. 5494: Kategorie "Business" (PDF))
Arbeitsplatz Krankenkasse CSS, Luzern Angebot "Absenzen-Koordination" für Dritte
Unternehmen können die Kontrolle über Absenzen an die CSS auslagern, welche die abwesenden Mitarbeiter persönlich kontaktiert, zunächst telefonisch, anschließend zu Hause. (Fall Nr. 5514: Kategorie "Arbeitsplatz" (PDF))
Lebenswerk Kurt Trolliet, Staatsschutzbeamter, Kantonspolizei Bern Insbesondere für seine willkürliche Festnahme von zwei Journalisten im Umfeld einer politischen Kundgebung im Januar 2008 in der Stadt Bern. (Fall Nr. 5493: Kategorie "Lebenswerk" (PDF))


2007

Die Preisverleihung fand am 9. November 2007 im im Palace in St.Gallen statt. Die Gewinner sind[5] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Bundesrat Christoph Blocher (Vorsteher des EJPD) Geplante Verschärfung des "Bundesgesetzes über Maßnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit" (BWIS, SR 120)
Die Gesetzesrevision sieht massiv ausgebaute Präventionsmaßnahmen vor (sgn. "Präventive Vorfeld-Ermittlungen"), so das Abhören von Telefongesprächen, das heimliche Durchsuchen von Computern, das versteckte Eindringen und Verwanzen von Wohnungen... all dies ohne konkreten Verdacht auf eine Straftat, und ohne unabhängige richterliche Überprüfung der Massnahmen. (Fall Nr. 5412: Kategorie "Staat" (PDF))
Business Krankenkasse Helsana Fehlender Datenschutz bei Kontrollen
Es wurde von Fällen berichtet, in denen Kontrolleure der Helsana in Pflegeheimen der Stadt Zürich Einsicht in Krankendossiers erhielten – ohne Zustimmung der Patienten. Die Stadtverwaltung intervenierte bei der Helsana und verbot das Vorgehen, worauf die Helsana die Zahlungen an die städtischen Pflegeheime einstellte. Die Helsana betont, dass das Vorgehen der "Controller" rechtens sei. Der Eidgen. Datenschutzbeauftragte befürchtet, dass Krankenkassen die sensiblen Daten für andere Zwecke verwenden könnten, etwa bei Anträgen zum Abschließen von Zusatzversicherungen. Er fordert die Krankenkassen auf, die Verhältnismäßigkeit zu wahren. (Fall Nr. 5388: Kategorie "Business" (PDF))
Arbeitsplatz SBB und Bundesamt für Verkehr (BAV) Drogentests ohne Verdacht
Die SBB führt flächendeckend präventive Drogentests beim Bahnpersonal ein. Gemäß einem Beitrag in der Sendung "10 vor 10" (SF-DRS) müssen Lokführer, aber auch sämtliche Kondukteure im Fernverkehr (bis zum Alter von 40 Jahren) seit Dezember 2006 zu Drogentests antreten – unabhängig davon, ob ein Verdacht besteht. Die Kontrollen erfolgen im Rahmen der routinemäßigen Gesundheitschecks. (Fall Nr. 5398: Kategorie "Arbeitsplatz" (PDF))
Lebenswerk Bundesrat Christoph Blocher Für seine unermüdlichen Anstrengungen zur Verschärfung des Staatsschutz-Gesetzes BWIS
Besonders wird die Hartnäckigkeit gelobt, mit der Herr Blocher selbst gegen Widerstand der eigenen Volkspartei verbissen daran arbeitet, das Volk von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass die Geheimdienste auch ohne konkreten Tatverdacht Keller, Wohnungen, Computer und Telefone überwachen dürfen. (Kategorie "Lebenswerk" (S.12, PDF))


2006

Die Preisverleihung fand am 16. November 2006 im Kulturzentrum Sudhaus in Basel statt. Die Gewinner sind[6] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Gesamtbundesrat, vertreten durch den EJPD-Vorsteher Christoph Blocher Für die geplante Verschärfung des "Bundesgesetzes über Maßnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit" (BWIS, SR 120)
Der Entwurf sieht massive Eingriffe in die Grundrechte vor, so das Abhören von Telefongesprächen, das heimliche Durchsuchen von Computern, das versteckte Eindringen und Verwanzen von Wohnungen - all dies unter dem Titel "Präventive Vorfeld-Ermittlungen", das heißt: ohne konkreten Verdacht auf eine Straftat und ohne richterliche Überprüfung der Maßnahmen (Fall Nr. 5271: Kategorie "Staat" (PDF))
Business Krankenkasse CSS Zugriff auf sensible Patientendaten
Sie erlaubte mehreren hundert Mitarbeitenden über ein online-System Zugriff auf sensible Gesundheitsdaten ihrer KundInnen. Die Daten waren für den Vertrauensarzt bestimmt und enthielten beispielsweise ärztliche Diagnosen oder Resultate von HIV-Tests. Im Juni 2006 eröffnete der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte EDSB eine "Sachverhaltsabklärung in Sachen CSS" und das Bundesamt für Gesundheit BAG reichte gar eine Strafklage gegen die CSS ein. (Fall Nr. 5235: Kategorie "Business" (PDF))
Arbeitsplatz Filiale Dietikon ZH des Media-Marktes Videoüberwachung
Die Geschäftsleiterin ließ die Angestellten systematisch mit Videokameras überwachen - nicht nur in den Verkaufsräumen, sondern auch im Lager, bei den Zugängen zur Stempeluhr, zu den Toiletten und zum Pausenraum. Mit Unterstützung der Gewerkschaft UNIA wehrte sich die Belegschaft erfolgreich gegen die widerrechtliche Bespitzelung: Die Geschäftsleitung sicherte schließlich zu, dass sie sich künftig an die Richtlinien des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten EDSB halten werde. (Fall Nr. 5224: Kategorie "Arbeitsplatz" (PDF))
Lebenswerk Hans Wegmüller, Direktor des Strategischen Nachrichtendienstes beim VBS Human Intelligence, Communication Intelligence
Er trat sein Amt vor fünf Jahren an, ist Chef über eine unbekannte Anzahl von Mitarbeitenden und verfügt über ein Budget in unbekannter Höhe. Der SND ist der militärische Geheimdienst der Schweiz. Er betreibt unter anderem die Telecom-Überwachungsanlage ONYX mit Standorten in Heimenschwand, Leuk und Zimmerwald. (Kategorie "Lebenswerk" (ab S.15, PDF))


2005

Die Preisverleihung fand am 29. Oktober 2005 in der Roten Fabrik in Zürich statt. Die Gewinner sind[7] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Gemeinderat von Emmen, Luzern Sozialinspektor, um ihre Sozialhilfebezüger zu überwachen
Gemäß den ersten Erfahrungen des Sozialinspektors gibt es in Emmen durchaus Missbräuche beim Bezug von Sozialhilfegeldern - allerdings lediglich bei 1 bis 3 Prozent der kontrollierten Personen. Der Aufwand zur Beschnüffelung ist also völlig unverhältnismäßig. Für seine Recherchen bezieht der Sozialinspektor auch Informationen aus dem sozialen Umfeld der Sozialhilfebezüger ein. Dies fördert die private Bespitzelung. Das Vorgehen in Emmen bedeutet für die Betroffenen eine zusätzliche Stigmatisierung, denn nun müssen sie alle ihre Unschuld und ihre Vertrauenswürdigkeit belegen. (Fall Nr. 3658: Kategorie "Staat")
Business Postfinance Datenweitergabe an die USA
Die Postfinance, verantwortlich für den Schutz der Daten ihrer Kunden, gibt Zahlungsdaten an die USA weiter, sogar wenn die Transaktionen von der Schweiz in die Schweiz erfolgen, und ohne den Kunden darüber zu informieren. Erst nach einer Intervention des Eidgen. Datenschutzbeauftragten lenkte die Postfinance schließlich ein. (Fall Nr. 3740: Kategorie "Business")
Arbeitsplatz Bundesanwalt Valentin Roschacher Papierkorb-Schnüffelei
Der Bundesanwalt durchsuchte im vergangenen Winter in einer geheimen Nacht-und-Nebel-Aktion die Papierkörbe seiner rund 100 Angestellten an der Berner Taubenstrasse 16. (Fall Nr. 3881: Kategorie "Arbeitsplatz")
Lebenswerk Jürg Scherrer, Polizeidirektor Biel-Bienne Engagement für Videoüberwachung (ohne gesetzliche Grundlage)
Trostpreis: Weil sich die Vision einer sicheren Stadt nicht erfüllte und die Volksinitiative zur Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für die Einrichtung von fixen Überwachungskameras in der Stadt Biel vorzeitig zurückgezogen werden musste. (Fall Nr. 4753: Kategorie "Lebenswerk")


2004

Die Preisverleihung fand am 16. Oktober 2004 in der Steeeltec-Halle in Emmenbrücke statt. Die Gewinner sind[8] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Schweizer Armee und der Chef der Luftwaffe im VBS Einsatz von unbemannten Überwachungsdrohnen
Laut einem Bericht der NZZ am Sonntag würden bei Drohnen-Flügen aufgenommene Bilder bis zu sechs Monate lang gespeichert. 80 Prozent der beobachteten Objekte seien Fahrzeuge, die anderen Gebäude, Statisten oder ahnungslose Zivilpersonen, da die Drohnen etwa in 1500 Meter Höhe operieren und kaum vernehmbar sind. Die von den Drohnen gemachten Aufnahmen seien problematisch, kritisiert ein Sprecher des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten laut NZZ am Sonntag. Sobald Personen bestimmbar seien, dürften die ermittelten Daten von Bundesorganen nur mit einer gesetzlichen Grundlage bearbeitet werden. Eine solche gebe es für die Drohnen-Flüge nicht. Die Luftwaffe meint hingegen, es sei unmöglich, einen Menschen zu erkennen oder eine Autonummer zu entziffern. (Fall Nr. 3130: Kategorie "Staat")
Business santésuisse, Verband der Krankenversicherer Durchsetzung des neuen Tarifsystems TARMED
Nach dieser Regelung müssen die Ärztinnen und Ärzte seit dem 1. Januar 2004 auf allen Rechnungen einen detaillierten Behandlungs-Code auflisten. Die Krankenkassen erhalten dadurch Einblick in besonders schützenswerte Patientendaten. Die Datenschutzbeauftragten kritisieren TARMED bereits seit mehreren Jahren und warnen vor der Schaffung von "gläsernen Patienten". (Fall Nr. 1017: Kategorie "Business")
Arbeitsplatz Stadtpolizei Zürich Überwachung von Polizisten
Das Kommando der Stadtpolizei Zürich hatte im Sommer 2003 heimlich den E-Mail-Verkehr von etlichen ihrer Angestellten überwacht. (Fall Nr. 3425: Kategorie "Arbeitsplatz")
Lebenswerk Josef Leu, ing. agr. HTL Landwirt, Nationalrat, Hohenrain Luzern Als Parlamentarier setzt er sich seit 1991 für eine Verstärkung von Armee und Polizei ein. Er fordert etwa die Schaffung einer "Bundessicherheitspolizei", eine Verschärfung des "Bundesgesetzes zur Wahrung der inneren Sicherheit" (BWIS, SR 120), sowie den konsequenten Ausbau der Möglichkeiten zur vorsorglichen Bespitzelung. (Fall Nr. 3577: Kategorie "Lebenswerk")


2003

Die Preisverleihung fand am 1. November 2003 im Dachstock der Reithalle Bern statt. Die Gewinner sind[9] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Bundesrat Samuel Schmid vom Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, Bundeshaus Ost, Bern Besondere Gründlichkeit bei der Befragung von angehenden Rekruten
Die Fragen gehen weit über das normale Niveau eines Bewerbungsgespräches hinaus, sie müssen auch zwangsweise beantwortet werden. Ob die Antworten auf die Fragen wirklich ehrlich gegeben werden im Umfeld der Aushebung und ob dadurch untaugliche besser selektiert werden können ist höchst fraglich. (Fall Nr. 740: Kategorie "Staat")
Business ORANGE Communications, Lausanne Mitarbeiterfichen
Der Mobilfunkprovider Orange hat in den Personalakten von mehreren hundert seiner Mitarbeiter private Bemerkungen eingetragen betreffend Gesundheitszustand, Schwangerschaft, Gewerkschaftszugehörigkeit etc. Ergänzend sammelte die Firma in einer Mitarbeiterbefragung zum Thema "Internetsicherheit" in Zusammenarbeit mit dem "international institute of management in telecommunications" der Universität Freiburg weitere Daten zum Wissensstand und zur Einstellung ihrer Angestellten - unter voller Angabe ihres Vor- und Nachnamens. Werden alle Daten miteinander verknüpft, so ergibt sich ein ideales Instrument zur Mitarbeiterplanung und zur persönlichen Bewertung der Angestellten. (Fall Nr.754 Kategorie "Business")
Kommunikation (E-Award) Untersuchungsrichterämter der Kantone Genf und Waadt Handy-Rasterfahndung
Maître Treccani scheut keinen Aufwand, um mit einem zunächst völlig "blinden" Verfahren hunderte oder gar tausende Personen unter die untersuchungsrichterliche Lupe zu nehmen. Der Lausanner Untersuchungsrichter hat bei allen drei Mobilkommunikationsanbietern Antennensuchläufe angeordnet und will damit laut "Sonntags-Blick" einen Präzedenzfall schaffen. Dadurch geraten aber alle Handy-Nutzer unter Verdacht, die zur Tatzeit in der Nähe des Tatortes telefoniert haben. An stark frequentierten Orten können dies tausende sein. (Fall Nr. 328: Kategorie "Kommunikation")
Lebenswerk Hans-Ulrich Helfer, Presdok AG Herr Helfer ist ein alter Krieger in Sachen Spitzelei. Der Titel eines Artikels "Die organisierte Kriminalität terroristischer Gruppen am Beispiel des Kantons Zürich" zeigt, dass er den ideologischen Stabmixer benutzt hat um sämtliche Versatzstücke von Bedrohunganalysen zusammen zu quirlen: Demnach wird der Kanton Zürich von Terroristen und org. Kriminellen überschwemmt, von der PKK über die UCK und die LTTE bis hin zur Kolumbianischen FARC. Außerdem argumentiert Herr Helfer gerne mit dem Schlagwort "Kampf der Kulturen". (Kategorie "Lebenswerk")


2002

Die Preisverleihung fand am 29. Oktober 2002 im Casinotheater Winterthur statt. Die Gewinner sind[10] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Kantonspolizei Zürich Für ihre Fahndungs- und Journal-Datenbank, die Speicherung falscher Daten und den mangelnden Wille, den vorhandenen Missstand zu beheben.
Unter dem Namen "Joufara ll" betreibt die Zürcher Kantonspolizei zusammen mit den Stadtpolizeien Zürich und Winterthur eine gemeinsame Fahndungsdatenbank, in der praktisch alle polizeilichen Vorgänge gespeichert werden. Die Datenbank enthält Informationen über Tatverdächtige, aber auch über Anzeigeerstatter oder kontrollierte Personen. Dabei sind zwei Punkte besonders problematisch: a) Alle Kantons- und Stadtpolizisten haben uneingeschränkt Zugang zu den Daten. b) Selbst wenn die Einträge veraltet oder falsch sind, führt die Polizei sie nicht nach. Auch Personen, deren Strafverfahren eingestellt wurde oder die freigesprochen wurden, bleiben registriert. (Fall Nr. 191: Kategorie "Staat")
Business Q-SYS, St. Gallen Datensammlung mit Rai/Rug
Die Firma vertreibt ein Computerprogramm zum kostenbewussten Qualitätsmangement von Menschen in Pflegeheimen. Auf der Basis von bis zu 250 überaus fraglichen Fragen werden diese in unterschiedliche "Pflegestufen" eingeteilt. Der Datenschutzbeauftragte des Kanton Zürich, Bruno Baeriswyl, kritisiert das Computersystem: "Grundsätzlich ist es nicht verhältnismässig, wenn man einfach alles erfasst und Daten auf Vorrat bearbeitet." Außerdem müsste den Betagten das Recht eingeräumt werden, die Anworten zu verweigern. (Fall Nr. 230: Kategorie "Business")
Kommunikation (E-Award) Adrien De Werra, Chef des Dienstes für Besondere Aufgaben (DBA) Anpassungen an Ueberwachungsgesetz
Das BÜPF sieht bereits heute die präventive Speicherung sämtlicher Kommunikationsranddaten vor, weshalb es im Jahr 2001 unter den Top 3 für einen Big Brother Award in der Kategorie "Kommunikation" war. De Werra meint nun, das Gesetz müsse angepasst werden. Dies kommt einer Ausweitung der Überwachungsbefugnisse und somit einem noch ausgedehnteren Eingriff in die Privatsphäre der Einwohner der Schweiz gleich. (Fall Nr. 164: Kategorie "Kommunikation")
Lebenswerk Club de Berne Gerüchten zufolge wurde dieser informelle Verein 1971 in Bern gegründet, um im Kalten Krieg Nachrichten zwischen westlichen Ländern auszutauschen. Inzwischen soll der exklusive Club Geheimdienste aus 19 Staaten versammeln. Was der "Club de Berne" tatsächlich tut, wer die Geschäfte führt, auf welcher rechtlichen Grundlage er operiert, all das ist "top secret" und offenbar selbst im Bundeshaus nicht bekannt. (Fall Nr. 243: Kategorie "Lebenswerk")


2001

Die Preisverleihung fand am 26. Oktober 2001 in der Roten Fabrik Zürich statt. Die Gewinner sind[11] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten Für ihre bereits langjährigen Bemühungen um eine Vernetzung ihrer Datenbestände.
Gerade die Ereignisse im letzten Januar in Davos haben gezeigt, dass bei Großereignissen nicht nur Beamte der Polizeien, sondern auch Gegnerinnen und Gegner der Globalisierung immer öfter interkantonal ausgetauscht werden! Die entsprechenden Daten halten mit dieser Entwicklung aber bei weitem nicht Schritt! Es handelt sich bei der Vernetzung der Daten also um einen längst fälligen Schritt zur Modernisierung der interkantonalen Infrastruktur. (Kategorie "Staat")
Business Krankenkasse SWICA Für einen Absenzenmanager
Dieses Jahr bewirbt sich die SWICA mit einem innovativen Computerprogramm, das Arbeitgebern einen sogenannten "Absenzenmanager" anbietet. Das auf einer CD-ROM vertriebene Programm bietet ein effizientes, personifiziertes Krankheitsmanagement und ermöglicht den Datenaustausch von Arbeitgebern mit anderen Firmen zum Beispiel mit Krankenkassen. (Kategorie "Business")
Kommunikation (E-Award) Militärischer Nachrichtendienst Für die Satellitenabhorchanlage ONYX (ehemals SATOS-3)
Diese Anlage besteht aus einer Gruppe von Parabolspiegelantennen in Leuk, aus einem gut getarnten Antennenwald in Heimenschwand im Emmental und aus einer Auswertungszentrale in Zimmerwald bei Bern. Mit demselben Verfahren wie das vom Grossen Bruder USA initierte Abhörsystem ECHELON können Telefongespräche, Faxe und E-Mails von leistungsfähigen Computern nach Schlüsselwörtern abgesucht werden. (Kategorie "Kommunikation")


2000

Die Preisverleihung fand am 26. Oktober 2000 im Kulturzentrum Rote Fabrik Zürich statt. Die Gewinner sind[12] (Nominierte):

Kategorie Empfänger Begründung
Staat Militärdepartement (neu VBS) Satellitenabhorchanlage "SATOS-3"
Das Militärdepartement hat sich als ausgesprochen tüchtig erwiesen, Daten aus dem Weltraum in die heimischen Bunker zu holen. Das geniale Überwachungssystem SATOS-3 erlaubt es unseren Sicherheitskräften, künftig alle Terrorstecknadeln im Heuhaufen der Kommunikation zu ermitteln. In überzeugender Weise zeigt das Projekt, dass es mit der vergleichsweise einfachen Suche nach den Stichworten "Russen" und "Mafia" gelingen könnte, das organisierte Verbrechen wirksam zu bekämpfen. (Kategorie "Staat")
Business Firma HOFFMANN-LA-ROCHE Routinemässige Urinproben bei ihren Lehrlingen
Die Chemiefirma Hoffmann-La Roche erhält den "First Swiss Big Brother Award" in Anerkennung ihrer Leistungen zum Schutz unserer Jugend. Der Chemiemulti hat bewiesen, dass es mit einfachen Mitteln der Disziplinierung möglich ist, den Medikamentenkonsum in die richtigen Bahnen zu lenken, und zwar "bevor es zu spät ist"! Besonders lobend wird erwähnt, dass sich Hoffmann-LaRoche nicht hat beirren lassen durch die Einwände des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. (Kategorie "Business")
Kommunikation (E-Award) Firma SWISSCOM Geografische Ortung von NatelnutzerInnen
In einer Gesellschaft, in der Marketing immer stärker zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird, muss ein Anbieter seine Kundschaft kennen! Die SWISSCOM hat bewiesen, dass es möglich ist, trotz Einwänden des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Daten zu sammeln, die es erlauben, detaillierte Bewegungsprofile zu erstellen. (Kategorie "Kommunikation")
Lebenswerk Urs von Däniken, langjähriger Chef der Bundespolizei Mit seinen Tätigkeiten hat Herr Urs von Däniken über Jahre hinweg bewiesen, dass der Schweizer Staat in seinen Grundfesten nicht zu erschüttern ist. Auch nach dem sogenannten Fichenskandal[13][14] gelang es ihm und seinen Mannen, das Vertrauen in unseren Staatsschutz wieder herzustellen und eine erneuerte, effiziente Bundespolizei aufzubauen. Herr von Däniken hat es immer wieder verstanden, sich einen neuen Arbeitsbereich aufzubauen - seit neuestem als "Chef Dienst für Analysen und Prävention" bei der Bundespolizei.(Kategorie "Lebenswerk")

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ^ bigbrotherawards.ch: Big Brother Awards Schweiz
  2. ^ bigbrotherawards.ch: Hall of fame
  3. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2009
  4. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2008
  5. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2007
  6. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2006
  7. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2005
  8. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2004
  9. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2003
  10. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2002
  11. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2001
  12. ^ Gewinner Big Brother Awards Schweiz 2000
  13. ^ grundrechte.ch: Von der Fiche zum Informationssystem - Der Schweizer Staatsschutz seit dem Fichenskandal
  14. ^ Neue Zürcher Zeitung: Fichenskandal - Der gefrässige Staat. Aus Angst vor Subversiven registrierte die Bundespolizei einst alles «Unschweizerische».